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Triumph Bonneville Zündungsumbau

Ignitech TCI-P4

Triumph Bonneville T100

Einleitung

Mein Vater erwarb 2004 ein neues Modell, bei dem ab Werk die offenen Pea-Shooter montiert waren. Nach einer Probefahrt kam ich zu dem Schluss, dass im mittleren Drehzahlbereich Durchzug fehlt und im oberen Bereich der Drehzahlbegrenzer viel zu früh einsetzt. Beides mindert den Fahrspaß beim Schlendern und Beschleunigen. So haben wir begonnen Umbauoptionen zu recherchieren, die Bonnie zu modifizieren und seitdem wurde das Motorrad Stück für Stück nach den Vorstellungen meines Vaters „hergerichtet“.

 

T100 motorradnews

 

Umsetzung

Um den Umbau genau zu dokumentieren, wurde vorab eine Ausgangsmessung auf dem Prüfstand vorgenommen. Natürlich gab die Bonnie nicht die Werksmotorleistung von 61PS ab – erstaunlicherweise waren es an der Kupplung sieben PS mehr.

 

Leistungskurven T100-Eingangsvermessung

Als erstes wurde das Sekundärluftsystem komplett entfernt und verstöpselt. Danach montierten wir ein K&N Sportluftfilter (Teile-Nr.:TB9004).
Nach der Anleitung von jenksbolts.com wurde der Luftfilterkasten zerlegt um den strömungsungünstigen (und wahrscheinlich geräuschmindernden) Steg zu entfernen. Danach vergrößerten wir den Eintritt in den Luftfilterkasten, indem wir den Ansaugschnorchel entfernten. Als letztes wurden nach dieser Anleitung die „Venturibohrungen“ in den Gleichdruckschiebern für eine spontanere Gasannahme mit einem 3mm-Bohrer erweitert.

Die gemssenen Leistungswerte hierzu waren ernüchternd; die Verschlechterung im unteren Drehzahlbereich war schlichtweg zu groß. Hier zeigt sich wie wenig sinnvoll das Schnitzen an der Ansauganlage ist, wenn man schwarz auf weiß sieht dass der Motor zuvor untenrum mehr Drehmoment hatte. Nach dieser Vermessung wurde in zwei Schritten jeweils die Hauptdüse vergrößert, was zu einer Verbesserung im mittleren Drehzahlbereich führte.  

 

Leistungskurven T100-Luftfilterumbau
 

Der abrupt einsetzende Drehzahlbegrenzer störte jedoch immer noch, deshalb hatten wir uns dann entschlossen, eine Ignitech TCI P4 Zündung einzubauen um alle Änderungen perfekt mittels Zündkurve abzustimmen und um die Maximaldrehzahl anzuheben.

Vor der Bestellung der Ignitech Zündung wurden die originalen GILL Steuergerät Anschlussstecker fotografiert und der Schaltplan der Bonnie eingescannt, damit konnten die Leute von Ignitech einen passenden Kabel-Adapter anfertigen, um das Steuergerät ohne jegliche Schnippelei in den originalen Kabelbaum einzubinden.

 

Kabeladapter_Ignitech-Gill

 

Nach ein paar Wochen kam das anschlussfertige Gerät zu uns und wir konnten die Bonnie nach dem Anstecken sofort starten. Seitdem läuft das Motorrad im Standgas einwandfrei - ohne Knallen und Patschen in den Vergaser nach Schließen des Chokes. Wer hätte gedacht, dass diese Eigenart mit einem kräftigen Funken beseitigt sind?! Das Steuergerät selbst wurde anstelle des GILL-Steuergerätes untergebracht und passt ohne Probleme unter die Sitzbank.

 


Abstimmung

Der „Abstimmungssalat“, der auf dem ersten Diagramm zu sehen ist, zeigt alle Kurven, die zur Abstimmung gemacht wurden in einem einzigen Diagramm. Es wurden insgesamt 65 Messungen durchgeführt, um den besten Kompromiss zu finden. Die Leistungskurven, die nur bis drei-, vier bzw. siebentausend Umdrehungen reichen, wurden begrenzt, um den unteren und mittleren Drehzahlbereich sicher abzustimmen. Durch den niedrig programmierten Drehzahlbegrenzer lassen sich so aktiv Motorschäden vermeiden, da in diesem klopfsensitiven Bereich schnell Schäden durch Detonationen auftreten können.
Die Maximaldrehzahl wurde genau eintausend Umdrehungen angehoben, um einen ordentlichen Überdrehzahlbereich zu erhalten. Damit sollte sich beim Beschleunigen jähes und brutales Abriegeln vermeiden lassen, weil man als Fahrer nun spüren kann, wann geschaltet werden muss.

 

 

Leistungskurven T100-Seite 1

 

Im letzten Diagramm sind alle drei Zwischenstände im direkten Vergleich zu sehen - das Ergebnis spricht für sich. Es liegen jetzt fast neun PS mehr Spitzenleistung an, die zum Einen aus der Drehzahlerhöhung resultieren und zum Anderen aus der Anpassung des Zündzeitpunktes. Selbst bei der alten Nenndrehzahl im Bereich um 7.300 Umdrehungen konnten wir sieben Pferdestärken zulegen. Die wesentliche Verbesserung war für mich im unteren bis mittleren Drehzahlbereich zu verzeichnen, denn hier haben fettere Nadelpositionen und nochmals größere Hauptdüsen wahre Wunder gewirkt. Es liegen nun über mehr als 4.500 Umdrehungen mehr als 70Nm an der Kupplung an, dagegen ist das Werksdrehmoment geradezu mickrig – mein Beileid den Applikationsingenieuren, die die Abgasnormen schaffen mussten und deshalb im Teillastbereich soweit abgemagert haben. Ab Werk liegen gerade einmal knappe 900 Umdrehungen über 70Nm an, obwohl der Motor wesentlich mehr anbietet.

 

Leistungskurven T100-Seite 2

 

 

Zurück auf der Straße

Die erste Probefahrt zauberte breites Grinsen, denn die Bonnie hing nun sehr gut am Gas und schob beim Beschleunigen gewaltig an. Das Schlendern im fünften Gang war nun endlich möglich. Man konnte gediegen mit fünfzig durch die Ortschaft rollen und wenn man es nicht so eilig hatte im letzten Gang sauber wieder auf gute 100km/h beschleunigen. Im Sprint zieht sie ohne einzubrechen los und der Fahrer hat ein sehr gutes Gefühl für den Schaltpunkt.

 

Ausblick

Seit 2010 läuft die Bonnie nun mit diesem Setup und hat viele Kilometer abgespult. Nach der Wartung haben sich keine Verschleißerscheinungen gezeigt. Die Nockenwellen sind in einem einwandfreien Zustand und das Ventilspiel ist normal – es zeigen sich keinerlei Schädigungen durch die Überdrehzahl. Die Zündung läuft tadellos und hat noch keine Probleme bereitet. Alles in allem sind die Umbaukosten moderat ausgefallen, vor allem weil nicht in die Motormechanik eingegriffen wurde. Im Gegensatz zu manch anderem erhältlichen Firlefanz haben der Einbau und die Abstimmung der Zündung einen erheblichen Effekt auf die Laufkultur des Motors.

 

Für die Zukunft könnte ich mir folgende sinnvolle Ergänzungen vorstellen:
- Verdichtung erhöhen und angleichen der Brennräume
- Ein- und Aulasskanalbearbeitung
- Umschleifen der Nockenwellen
- dynamisches Wuchten der Kurbelwelle und der Ausgleichswelle
- FCR Vergaserbatterie und deren Feinabstimmung